Fernambuk

Fernambukblüte

Im Bogenbau kommt für die Stange hauptsächlich Fernambukholz zum Einsatz. Unter der botanischen Bezeichnung Caesalpina echinata, gibt es ca. 125 Arten, von denen aber nur ein Bruchteil im Bogenbau Verwendung findet. Die zur Bogenfertigung  bevorzugte Art ist Guilandina Echinata. Die erlesensten Exemplare dieser Spezies wachsen in der brasilianischen Provinz Pernambuco. 

Als Sammelname für alle Arten dieser botanischen Familie hat sich der Begriff Brasilholz eingeführt. Das Wort Brasil beschreibt die Farbe glühender Kohlen. Seit dem Mittelalter dient es als Sammelnamen für jene roten Farbhölzer, die seit den Reisen Marco Polos in den südostasiatischen Raum immer wieder sporadisch nach Europa gelangten und in der Textilfärberei  eingesetzt wurden. Als im 16. Jh. Südamerika von den Portugiesen kolonisierten wurde, fanden diese dort ein ähnliches Farbholz in so großen Mengen (Fernambuk), dass sie den neuen Land dementsprechend den Namen Brasilien gaben. So stand paradoxer Weise nicht das Land Pate für den Holznamen, sonder genau gegenteiliges war der Fall.

Der Handel mit Fernambuk war nun einige Jahrhunderte königliches Monopol, da es als Farbholz sehr geschätzt war. Für die Region Nordostbrasiliens stellte es damals deren wichtigstes Exportprodukt dar. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass seine Bestände zum Zeitpunkt der Einführung von synthetischen Farben Mitte des 19. Jh. schon derart dezimierte waren, dass es schon eine Seltenheit war und es fortan mehr und mehr an wirtschaftlicher Bedeutung verlor.

Fernambuk war demnach mit Sicherheit schon auf dem Europäischen Markt bekannt, als die ersten Geigen in heutiger Form Ende des 16. Jh. in Brescia gebaut wurden. 

Einer der ersten Bogenmacher der Fernambukholz  zum Bau seiner Bögen benutzte war François Xavier Tourte (1750-1835). Bei der Wahl des Holzes ließ sich Tourte von der Überlegung leiten, dass ein zum virtuosen Spiel brauchbarer Bogen Federkraft besitzen muss. Er hat deshalb alle ihm erreichbaren Holzarten auf ihre Qualität bezüglich Biegsamkeit und Spannkraft bei gleichzeitiger dauerhafter Formbeständigkeit untersucht und probeweise verarbeitet. Wie sich geschichtlich überliefert hat, verarbeitete er dabei auch das Holz brasilianischer Zuckerfässer. Auf diese Weise gelangte er zu Fernambukholz.

Wegen der hervorragenden Kombination der spezifischen Eigenschaften, gute und saubere Bearbeitbarkeit, ideales Gewicht, extreme Flexibilität und hohe Festigkeit, galt es bald als der ideale Werkstoff für den Bogenbau.

Viele Studien wurden schon betrieben ein Alternativholz mit gleichwertigen Eigenschaften zu finden. Jedoch konnte bisher kein Material ermittelt werden, welches als Ersatz  für Fernambuk im Bogenbau gelten könnte. Auch der Einsatz moderner Composite Verbundmaterialien wie Carbon ist keine befriedigende Alternative für einen guten Fernambukbogen.

Stamm eines ca. 20 Jahre alten Fernambukbaumes.

In den Schoten bilden sich die Samen

Hinten vertrocknete Schoten, in der Mitte eine grüne Schote und davor die roten Fernambuksamen.

Eine Fuhre Fernambukstämme trifft am Sägewerk ein.

Palmblätter schützen die Stämme vor der Sonne.

Abkürzen der Stämme mit der Motorsäge.

Schutz gegen Rissbildung, direkt nach dem Ablängen.

Angelieferte Stämme an unserer Werkstatt in Baiersdorf.